Online-PR war lange vor allem dafür da, Reichweite aufzubauen, Backlinks zu gewinnen und den eigenen Namen in relevanten Medien zu platzieren. Nun kommt eine weitere wichtige Aufgabe hinzu: Gute PR entscheidet zunehmend darüber, ob deine Marke in den Antworten von ChatGPT, Gemini, Claude, Perplexity und anderen KI-Systemen überhaupt auftaucht.
Der Grund ist einfach: KI-Assistenten verlassen sich bei Empfehlungen nicht nur auf das, was du auf deiner eigenen Website über dein Unternehmen schreibst. Sie greifen stark auf unabhängige Drittquellen zurück – etwa Fachmedien, Vergleichsportale, Bestenlisten, Studien, Reviews oder redaktionelle Beiträge.
Für dich bedeutet das: Es reicht nicht mehr, ausschließlich deine eigene Website zu optimieren. Möchtest du bei KI-gestützten Suchen sichtbar sein, muss deine Marke auch außerhalb deiner eigenen Domain glaubwürdig und im richtigen Zusammenhang stattfinden.
Diese vier Online-PR-Maßnahmen sind dafür besonders relevant. Diese vier Tipps sind außerdem die aktuellen Best Practices, die unser Mitgründer René Reinisch bei Kundenprojekten umgesetzt und beobachtet hat. Wie lange diese funktionieren, hängt von der Weiterentwicklung der KI-Modelle ab. Die Grundlage für die Zukunft sollte immer ein nachhaltiger und qualitativ hochwertiger Ansatz sein. Shortcuts sind selten langfristig zu empfehlen.
1. In relevanten Bestenlisten auftauchen
Bestenlisten und Listicles gehören zu den direktesten Wegen, um bei kommerziellen KI-Suchen sichtbar zu werden. Fragt jemand beispielsweise nach den besten Buchhaltungstools für Selbstständige, zuverlässigen Wärmepumpen-Anbietern oder guten Agenturen für B2B-PR, greifen KI-Systeme häufig auf vorhandene Vergleichs- und Empfehlungsseiten zurück.
Dabei solltest du dich nicht nur auf eine einzige große Liste konzentrieren. Natürlich kann es wertvoll sein, in der bekanntesten Branchenübersicht aufzutauchen. Noch wichtiger ist jedoch, dass deine Marke über mehrere relevante Quellen hinweg regelmäßig genannt wird.
KI-Systeme vergleichen Informationen aus unterschiedlichen Publikationen. Taucht dein Unternehmen wiederholt in passenden Bestenlisten auf, entsteht ein konsistentes Signal: Deine Marke gehört in diesem Themenfeld zu den relevanten Anbietern.
Starte deshalb mit einer Bestandsaufnahme. Welche Listen erscheinen bei wichtigen Suchanfragen deiner Zielgruppe? Welche davon werden von KI-Assistenten als Quelle verwendet? Und wo sind deine Wettbewerber bereits vertreten?
Anschließend kannst du gezielt Kontakt zu Redaktionen und Publishern aufnehmen, aktuelle Informationen bereitstellen oder dein Unternehmen für kommende Aktualisierungen vorschlagen.
Wichtig ist allerdings: Eine Erwähnung um jeden Preis bringt dir wenig. Die Liste sollte thematisch zu deinem Angebot passen, glaubwürdig sein und von deiner Zielgruppe tatsächlich genutzt werden. Zehn beliebige Nennungen auf schwachen Websites sind nicht automatisch besser als eine fundierte Empfehlung in einem anerkannten Branchenmedium.
2. Vergleichende Inhalte mit echten Argumenten schaffen
Auch vergleichende Inhalte spielen eine große Rolle. Gemeint sind nicht nur klassische Bestenlisten, sondern beispielsweise Alternativen-Seiten, Produktvergleiche, Marktübersichten oder Beiträge wie „Lösung A oder Lösung B: Was passt zu welchem Unternehmen?“.
Solche Inhalte liefern KI-Systemen genau das, was sie für eine Empfehlung benötigen: eine nachvollziehbare Begründung. Eine KI soll schließlich nicht nur nennen, dass es deine Marke gibt. Sie muss erklären können, warum dein Angebot für eine bestimmte Person, Branche oder Situation geeignet ist.
Hier kommen sogenannte Justification Assets ins Spiel. Das sind Inhalte, die klare Argumente für oder gegen eine Lösung liefern. Statt dein Angebot als perfekte Lösung für alle darzustellen, solltest du konkret werden.
Für wen ist dein Angebot besonders geeignet? Welches Problem löst du besser als andere? Wo liegen deine größten Stärken? Und in welchen Situationen ist vielleicht sogar ein anderer Anbieter die passendere Wahl?
Diese Offenheit wirkt zunächst möglicherweise ungewohnt, macht deine Inhalte jedoch glaubwürdiger und nützlicher. Austauschbare Aussagen wie „hohe Qualität“, „individuelle Lösungen“ oder „bester Service“ reichen kaum noch aus.
Gute Vergleichsinhalte brauchen nachvollziehbare Kriterien, greifbare Unterschiede und belastbare Belege. Je einfacher sich daraus eine klare Empfehlung für eine bestimmte Situation ableiten lässt, desto hilfreicher ist dein Inhalt – sowohl für deine potenziellen Kunden als auch für KI-Systeme.
Versuche also nicht zwanghaft die richtige Wahl für jeden Menschen zu sein. Zeige lieber klar, für wen dein Angebot besonders gut geeignet ist und warum.
3. Expertenbeiträge in Fachmedien veröffentlichen
Du kannst oder möchtest nicht unbedingt in direkten Produktvergleichen oder großen Bestenlisten auftauchen? Dann sind Expertenbeiträge, Gastartikel und redaktionelle Kommentare eine starke Alternative.
Dabei geht es aber nicht darum, einen offensichtlichen Werbetext in einem Fachmedium unterzubringen. Du bringst dein Wissen in ein relevantes Thema ein und sorgst gleichzeitig dafür, dass deine Marke im gewünschten Kontext erscheint.
Betreibst du beispielsweise ein Unternehmen in der Energiebranche, könntest du einen Beitrag über neue Anforderungen an industrielle Energiesysteme veröffentlichen. Als Softwareanbieter kannst du erklären, welche Fehler Betriebe bei der Automatisierung bestimmter Prozesse vermeiden sollten. Bietest du Beratungsleistungen an, kannst du aktuelle Entwicklungen einordnen und nützliche Handlungsempfehlungen geben.
Entscheidend ist deine strategische Positionierung. Überlege dir vor dem Pitch, für welches Thema dein Unternehmen stehen soll und wie deine Marke von Menschen und KI-Systemen beschrieben werden soll. Diese Botschaft sollte sich möglichst deutlich im Beitrag wiederfinden.
Im besten Fall nennt der Artikel nicht nur deine Marke und deine Expertise, sondern enthält zusätzlich einen Backlink. Dieser kann die Autorität deiner Domain stärken und gleichzeitig interessierte Leser direkt auf deine Website führen.
Die Erwähnung selbst ist allerdings ebenfalls wertvoll – besonders dann, wenn sie in einem anerkannten und thematisch passenden Medium erscheint.
Frage dich bei deiner Online-PR deshalb nicht nur: „Bekomme ich einen Link?“ Überlege auch: „In welchem Zusammenhang wird meine Marke genannt?“ und „Welche Eigenschaften werden mit meinem Unternehmen verbunden?“
4. Eigene Daten und Studien als PR-Assets nutzen
Eigene Daten gehören zu den aufwendigsten, aber auch wirkungsvollsten Online-PR-Maßnahmen. Du kannst dafür anonymisierte Unternehmensdaten, Branchenanalysen, Umfragen, Marktstudien oder regelmäßig aktualisierte Reports nutzen.
Ein gutes Daten-Asset erfüllt gleich mehrere Aufgaben. Du kannst es auf deiner Website veröffentlichen, einzelne Erkenntnisse in weiteren Content integrieren und die spannendsten Ergebnisse gezielt an Medien pitchen.
Journalisten erhalten dadurch konkrete Zahlen und neue Geschichten, während KI-Systeme eine zitierfähige Originalquelle bekommen. Aus einer einzigen Untersuchung kannst du unterschiedliche Inhalte entwickeln: einen ausführlichen Report, mehrere Fachartikel, Infografiken, Social-Media-Posts oder Kommentare zu aktuellen Entwicklungen.
Damit das funktioniert, müssen drei Dinge zusammenpassen: Deine Daten sollten für deine Zielgruppe interessant sein, einen echten Nachrichtenwert für Medien besitzen und gleichzeitig zu deiner Positionierung passen.
Führst du eine zufällige Umfrage ohne Verbindung zu deinem Kerngeschäft durch, bekommst du damit vielleicht kurzfristige Aufmerksamkeit. Das gewünschte Bild deiner Marke stärkst du dadurch aber nicht unbedingt.
Außerdem gilt: Gute Daten verbreiten sich nur selten vollständig von allein. Auch einen starken Report musst du aktiv verbreiten.
Bereite unterschiedliche Aufhänger für verschiedene Medien vor, sprich passende Journalisten gezielt an und mache die wichtigsten Ergebnisse schnell erfassbar. Klare Grafiken, kurze Zusammenfassungen und präzise Aussagen erhöhen deine Chance, dass die Daten aufgegriffen und zitiert werden.
Was deine Online-PR zusätzlich erfüllen muss
Die beste Platzierung hilft dir nur wenig, wenn KI-Systeme die jeweilige Quelle nicht abrufen können. Prüfe deshalb, ob relevante Veröffentlichungen technisch zugänglich und nicht für KI-Bots gesperrt sind.
Ebenso wichtig ist der Kontext deiner Erwähnung. Dein Markenname allein reicht nicht aus. Idealerweise wird klar beschrieben, was du anbietest, für wen dein Angebot gedacht ist und wodurch du dich auszeichnest.
Statt wahllos Medienkontakte aufzubauen, lohnt sich außerdem eine Art Quellenlandkarte. Teste wichtige Fragen entlang deiner Customer Journey in unterschiedlichen KI-Systemen.
Welche Quellen werden genannt? Welche Medien tauchen immer wieder auf? Wo werden deine Wettbewerber empfohlen? Mit welchen Eigenschaften werden die einzelnen Anbieter verbunden? Und an welchen Stellen fehlt deine Marke bisher vollständig?
So erkennst du, welche Drittseiten in deiner Branche tatsächlich Einfluss besitzen. Da sich die bevorzugten Quellen je nach KI-System, Sprache und Markt unterscheiden können, solltest du dich nicht auf einen einzigen Test verlassen.
Das stärkste Ergebnis erzielst du mit einer Kombination aus drei Elementen: einer Erwähnung deiner Marke, dem passenden thematischen Kontext und einem hochwertigen Backlink.
Fazit: Online-PR wird zum Sichtbarkeitsfaktor für Mensch und Maschine
Online-PR ist weit mehr als klassische Pressearbeit. Bestenlisten, vergleichende Inhalte, Expertenbeiträge und eigene Daten helfen dir nicht nur dabei, Menschen zu erreichen. Sie liefern KI-Systemen unabhängige Belege dafür, wie deine Marke einzuordnen ist und wann dein Angebot empfohlen werden sollte.
Du musst dafür nicht sofort überall präsent sein. Beginne mit den Quellen, die in deiner Branche bereits sichtbar und vertrauenswürdig sind. Analysiere die wichtigsten KI-Fragen deiner Zielgruppe, entwickle klare Argumente für deine Positionierung und baue Schritt für Schritt glaubwürdige Erwähnungen auf.
Mit einer guten Online-PR-Strategie erreichst du mehr Menschen und sorgst gleichzeitig dafür, dass deine Marke auch in KI-Suchen und Empfehlungen eine Rolle spielt.